Erneuerte Trachten für Herren

Erneuerte Tracht für HerrenSeit 2011 gibt es in Oberfranken die ersten zeitgemäßen Lederhosen und Westen nach historischen Vorbildern. Die Vorbilder lieferten originale Kleidungsstücke aus dem Coburger Land und den Landkreisen Hof und Kulmbach.

Im Vergleich zu den Frauentrachten treffen wir bei den Trachten für die Männer auf eine völlige andere Situation. Wie überall sind auch in ganz Oberfranken nur sehr wenige originale Stücke aus der Zeit vor 1870 erhalten, an denen noch regionale Besonderheiten erkennbar sind. Grund dafür ist, dass die Kleidung entweder bis zum Schluss aufgetragen oder für die Kinder umgearbeitet wurde. Aus den unbrauchbar und unmodern gewordenen Lederhosen wurden die „Dörnerhandschuhe“ zum Reisigmachen gefertigt, aus den festen Wollstoffen der Jacken und Mäntel konnte man immer noch Stücke herausschneiden, die für die Besätze der hausgemachten Schuhe, der „Tappen“, zu verwenden waren. Außerdem wechselten die Männer bereits ab Beginn des 19. Jahrhunderts zu der unauffälligen modischen Kleidung, während die Frauen noch viel länger an den regionaltypischen Besonderheiten festhielten.

Nach jetzigem Kenntnisstand sind in ganz Oberfranken nur rund sieben Lederhosen überliefert. Ebenfalls nur eine einzige kurze Jacke, einige wenige Männerröcke, die noch Formen zwischen Justaucorps und dem Gehrock des 19. Jahrhunderts verkörpern und circa zehn Westen, die geeignet sind, als Vorbild für erneuerte Trachten zu dienen.

Die nächste Hürde auf dem Weg zu einer erneuerten Tracht bestand darin, geeignete Handwerker und Lieferanten für die Stoffe und das Leder zu finden.

Nachdem dies gelungen ist, konnte die erste erneuerte Männertracht entstehen. In Auftrag gegeben wurde sie von Lothar Hofmann, dem Kreisheimatpfleger des Landkreises Coburg und Leiter des Gerätemuseums Coburger Land Alte Schäferei Ahorn. 


Die Lederhose

LederhoseIn Oberfranken waren zwei unterschiedliche Schnitte verbreitet: Die erhaltenen Exemplare aus Nordostoberfranken besitzen einen schmaleren Latz als die Lederhosen aus dem Coburger Land.

Eng am originalen Vorbild orientiert sich die abgebildete Lederhose. Sie besteht aus sehr hellem, sämisch gegerbtem Leder, besitzt einen breiten, knöpfbaren Latz und feine Stickereien in der Farbe des Leders.

Seit ca. 1820 wurden die Kniehosen auch in ländlichen Regionen unmodern und durch die langen Hosen ersetzt. Beliebt waren zeitweise auch so genannte Stiefelhosen aus Leder, die zusammen mit Schaftstiefeln getragen wurden. Da sich die Kniehosen nicht mehr in unsere heutige Kleidungsweise einfügen, kombinierten wir die regionaltypischen Elemente der historischen Kniehose mit den späteren Stiefelhosen. Selbstverständlich kann auch wieder auf die historische Länge zurückgegriffen werden.

Lederhose 2Wichtig sind die Qualität der Verarbeitung und des Materials. Da das Leder direkten Hautkontakt hat, verwenden wir ausschließlich sämisch, das heißt mit Öl gegerbtes Leder ohne Verwendung von Stoffen, die zu Allergien und Reizungen führen. Während für die Kniehose die Haut eines Ziegenbockes ausreicht, benötigt man für die lange Hose die eines größeren Tieres, z.B. Hirsch oder Wildbock. Möglich sind zahlreiche Farbnuancen, aber ebenso die Entscheidung, statt des Leders einen Stoff zu wählen. Historisch belegbar sind Materialien wie Wolle, Leinen und Baumwolle sowie Mischgewebe.

Auch im Schnitt gibt es neben dem Coburger Schnitt die Alternative mit einem schmalen Latz, wie er an den originalen Hosen aus Kulmbach und Hof vorkommt.


Die Weste

WesteHier finden wir in den Quellen zahlreiche Variationen hinsichtlich Dessin, Schnitt und Details: ein- oder zweireihige Knöpfung, Steh- oder Reverskragen, Münz- und Glasknöpfe oder dezente, mit Stoff überzogene Knöpfe, Samt, Cord, Seide oder Wolldamast, ein- und mehrfarbige Muster.

Regionale Besonderheiten sind lediglich aus dem Landkreis Hof überliefert, nämlich Westen aus farbig gemustertem oder auch geprägtem Samt mit einer Reihe dicht aneinander gefügten halbrunden Metallknöpfen. Anders als bei den typischen Westen mit einem schlichten Futterstoff für den Rücken sind hier noch Exemplare überliefert, die nach älterer Tradition einen aus Samt gearbeiteten Rücken aufweisen.

Die inzwischen sehr begehrten neuen Hofer Westen entwickelte die Schneidermeisterin Susanne Dürr.


Fotos:
Anny Maurer




Trachtenberatung Oberfranken

Trachtenerneuerung

Die Schnittmuster für die Modelle

"Coburger Land", "Kulmbach", "Bamberg"und das "Wunsiedler Mieder"

in den Größen 36-38, 40-42, 44-46 können in der Trachtenberatungsstelle Oberfranken bestellt werden.

Schnittmuster für die erneuerte Tracht „Hofer Land“ erhalten Sie im Oberfränkischen Bauernhofmuseum Kleinlosnitz (Tel. 09251/3525), für die Rehauer Tracht bei Schneidermeisterin Anna Busch (E-mail: kontakt@atelier-angemessen.de; Tel. 09283/5910750).