Beispiel: Die Tracht im Hummelgau

Haube


Im so genannten Hummelgau, einer aus sieben Dörfern bestehende Region südwestlich von Bayreuth, wird bis heute eine der interessantesten Trachten in Oberfranken gepflegt. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts galten die Hummelgauer Bauern als Besonderheit in Oberfranken und wurden immer wieder in Reise- und Landesbeschreibungen zitiert.

Durch ihre außergewöhnlichen Trachten und ihre Musik- und Tanzdarbietungen haben sie selbst die bayerischen Könige beeindruckt. 


Die Hummelgauer Bauern traten erstmals bei einem Huldigungsaufzug vor dem bayerischen König Maximilian I. 1823 in Bayreuth auf. Zur „Münchner Hochzeit“ im Jahr 1842 reiste ein Hummelgauer Hochzeitszug nach München, und auch später traten Abordnungen aus dem Hummelgau in ihrer Tracht stellvertretend für Oberfranken auf.


Der 1927 in Pittersdorf geborenen Annemarie Leutzsch, bekannt als „Rettl aus’m Hummelgau“, ist es zu verdanken, dass zahlreiche originale Textilien und Accessoires der Hummelgauer Tracht erhalten geblieben sind. Aus ihrer Sammlung stammen die abgebildeten Trachtenstücke.

Die altertümliche Tracht, die seit dem Ende des 18. Jahrhunderts den Reisenden und Gelehrten aus der Stadt aufgefallen war, entsprach den damaligen Vorstellungen vom einfachen Landvolk, das vermeintlich unberührt von Luxus und Mode lebt. Gern wollte man glauben, im Hummelgau Nachfahren alter Volksstämme entdeckt zu haben und schrieb ihnen abwechselnd zu, Nachfahren alter germanischer, sächsischer, wendischer oder slawischer Stämme zu sein.
Weithin bekannt wurden die Hummelgauer durch ihre Auftritte in Bayreuth und München im Zusammenhang mit dem bayerischen Königshaus. Auch die Abbildung in der großen bayerischen Trachtengrafikserie von Felix Joseph Lipowsky von 1825/30 trug zur zunehmenden Berühmtheit der Hummelgauer Trachten bei.





Die Aufmerksamkeit, die man den Hummelgauer Bauern schenkte, führte letztendlich dazu, dass die im 18. Jahrhundert bereits als altertümlich bezeichneten Kleidungsformen für die öffentlichen Auftritte zum Teil bis ins 20. Jahrhundert hinein beibehalten und immer wieder nachgearbeitet wurden. Die Kleidungsweise im privaten Leben war jedoch anders und unterschied sich im wesentlichen nicht von der der übrigen Landbevölkerung.





Die in den 1920er u. 50er Jahren gegründeten Trachtenvereine in Mistelgau und Gesees haben heute immerhin noch rund 500 Mitglieder. Auch die Bayreuther Trachtenvereine tragen die Hummeltracht in einer ihrer Abwandlungen.



Hinweise:
Museum Hummelstube, Gemeinde Hummeltal

Lit.:
Ingrid und Rüdiger Bauriedel: Die Tracht der Hummelbauern. Bayreuth 2009

Fotos:
Anny Maurer

Trachtenberatung Oberfranken

Trachtenvielfalt

Die Schnittmuster für die Modelle

"Coburger Land", "Kulmbach", "Bamberg"und das "Wunsiedler Mieder"

in den Größen 36-38, 40-42, 44-46 können in der Trachtenberatungsstelle Oberfranken bestellt werden.

Schnittmuster für die erneuerte Tracht „Hofer Land“ erhalten Sie im Oberfränkischen Bauernhofmuseum Kleinlosnitz (Tel. 09251/3525), für die Rehauer Tracht bei Schneidermeisterin Anna Busch (E-mail: kontakt@atelier-angemessen.de; Tel. 09283/5910750).